7 November 2014

Deutschland


100 Jahre Maristen in Deutschland 1914 – 2014

Die Klosterkirche in Furth war voll besetzt, als am 11. Oktober die Feierlichkeit zum 100. Jahrestag der Maristenbrüder in Deutschland begann. Im Anschluss an dem Gottesdienst wurde im Garten der Schule ein Toast ausgebracht und dann fand in der Aula ein Festakt statt mit von Musik umrahmten Vorträgen. Die gelungene Jubiläumsfeier endete mit einem Festessen mit bayerischem Bier.

Es folgt ein Bericht des Vortrags von Herrn Ulrich Haaf, Direktor des Schulwerks der Diözese Augsburg.

Mit ihren Schulen und Internaten haben sich die Maristen in die große Bildungs- und Schultradition der Kirche eingefügt; in Frankreich geschah dies in einer Zeit, als – zumal in ländlichen Gegenden – das Schulwesen am Boden lag und der christliche Glaube infolge der Französischen Revolution hoch angefochten war. Die Gründung von Schulen war immerhin möglich, und zu Marzellins Zeiten konnten 48 Einrichtungen beginnen, betonte der Festredner. Des Weiteren meinte er, dass Ordensschulen aus dem Auftrag des Gründers leben, aus der Spiritualität der jeweiligen Gemeinschaft und nicht zuletzt aus dem Charisma der Gemeinschaft als solcher und aus jenem einzelner Mitglieder.

Eine Beobachtung beunruhigt Direktor Haaf: Alle Schulen stehen ja vor der Frage, wie sie das von ihnen erwartete katholische Profil in der Schulpraxis realisieren können. Dabei mag es als möglicher Weg erscheinen, das katholische Element ganz aus dem Bezug zur früheren Ordensgemeinschaft gewinnen zu wollen. Die Feier des Stifterfestes, der Besuch des Klosters, das Referat der Ordensfrau, die Sozialaktion zu Gunsten der Ordensmission, das sind für sich genommen wichtige und hilfreiche Aktionen, die auch eine schulische Tradition bewahren helfen, stellte der Redner fest und fügte hinzu: „Doch zu meinen, damit habe man in genügender Weise „katholische” Schule realisiert, wäre ein Trugschluss.”

Während manche Ordensschulen als „Einzelkämpfer” die Wechselfälle der Geschichte zu bestehen hatte, meinte der Direktor des Schulwerks schließlich, liege ein Vorteil der bischöflichen Schulen in ihrem Verbund. Synergien und Kooperationen seien leichter erreichbar, die Sicherheit sei insgesamt höher. Keineswegs geringer sei aber den Anspruch an die einzelne Schule: Ein Bistum will keine Dublette einer staatlichen Schule, sondern eine profiliert katholische. Alles andere könne der Staat genauso gut, wenn nicht besser. „Unser Proprium muss sichtbar und erfahrbar werden, natürlich auch in Programmen und Reden, erst recht aber an jedem Schultag und in jeder Stunde. „Seht, wie sie miteinander umgehen!”, sollte man über unsere Schulen anerkennend sagen können, „wie sie einander helfen, wenn es Not tut” und dass sie den „glimmenden Docht nicht auslöschen”.”

Es war die persönliche Überzeugung von Direktor Ulrich Haaf, nach 20 Jahren Arbeit für das katholische Schulwesen, „dass unsere Schulen, ob in Ordensträgerschaft oder in diözesaner, ein unverzichtbares Element des kirchlichen Engagements im Bereich von Bildung und Erziehung darstellen. Der Staat räumt uns zudem im Grundgesetz das Recht ein, Schulen in freier Trägerschaft zu betreiben, auch neu zu gründen, und er unterstützt sie mit erheblichen Aufwendungen. Es wäre fatal, wenn wir diese Möglichkeit nicht nutzten.”

  

              Herr Ulrich Haaf

 

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